Häufig gestellte Fragen an die Autorin

Wer spricht in den Prologen? Claire? Brianna? Sie?

Tja, das ist eine gute Frage. Für mich ist der Prolog eigentlich die Stimme des Buches, falls das einen Sinn ergibt. Die Bücher sind alle so angelegt, dass sie für sich stehen können, aber auch als Teile eines Ganzen ineinandergreifen. Demzufolge hoffe ich zwar, dass die Handlungselemente, Charaktere etc. zwischen den Büchern konsistent sind, doch soll jedes Buch seinen eigenen Tonfall, seine eigene Struktur und Herangehensweise haben. Also ist jeder Prolog dazu gedacht, etwas über den Tonfall und die Essenz des jeweiligen Buches auszusagen. Was nun die Frage angeht, so ziehe ich es vor, den Prolog im Zwielicht zu lassen. Wer da spricht? Das Buch selbst (obwohl ich mir vorstellen könnte, dass der eine oder andere Leser das Buch mit der Stimme einer Figur sprechen hört). Mit Ausnahme von »Feuer und Stein« war der Prolog bei allen Büchern die Passage, die mit Abstand am schwierigsten zu schreiben war.

1. Ich brauche immer mehrere Versuche, um ihn richtig hinzubekommen, und oft muss ich darauf warten, dass mir eine Inspiration – in Form einer Formulierung oder eines Bildes – kommt.

2. Bei »Der Ruf der Trommel« habe ich den Prolog zu allerletzt geschrieben! Eine Besonderheit der Prologe ist es, dass diese Zweideutigkeit zwar in der Schriftform funktioniert, die gesprochene Version jedoch zwangsläufig etwas eindeutiger ausfallen muss. Das heißt, die armen Schauspielerinnen, die die amerikanischen Hörbücher gelesen haben, waren gezwungen, den Prologen eine Stimme vorzugeben. Und offensichtlich hat entweder der Verfasser der gekürzten Hörbuch-Version oder Geraldine James (die diese, in den USA bei Bantam erschienene Fassung liest) beschlossen, dass die Prologe der ersten drei Bücher in Claires Tonfall gelesen werden sollten, während der Prolog zu »Der Ruf der Trommel« in Briannas Stimme erklingt. Nun enthält aber die erste Zeile des Trommel-Prologs die folgende Zeile: „Wenn ich in den Spiegel sehe, blicken mich die Augen meiner Mutter an…“ Dummerweise haben wir inzwischen über drei Bücher hinweg mit großem Theater darauf hingewiesen, wie sehr Brianna Jamie Fraser ähnelt, bis hin zu und einschließlich der schräg stehenden blauen Katzenaugen. Claires Augen dagegen sind bis zum Geht-nicht-mehr mit Sherry, Whisky und anderen benebelnden Substanzen bräunlicher Färbung verglichen worden. Und einmal beschreibt Claire selbst ihre Mutter, während sie (in »Ferne Ufer«) ein Foto betrachtet: „Warme braune Augen…“

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Warum haben Sie »Feuer und Stein« in den vierziger Jahren beginnen lassen und nicht in der Gegenwart?

Nun, drei Hauptgründe.

1. Ich wollte Claires Übergang in die Vergangenheit so plausibel wie möglich gestalten. Da sie also die Strapazen der Nachkriegszeit in Europa und die anthropologischen Reisen mit ihrem Onkel Lamb hinter sich hatte, würde ihr die Anpassung an das jakobitische Schottland nicht so schwerfallen, wie das möglicherweise bei einer moderneren Person der Fall wäre. Es ist zwar für viele heutige Amerikaner schwer zu begreifen, aber vor dem Krieg herrschten in Großbritannien recht primitive Zustände, was alle möglichen Annehmlichkeiten – Lebensmittel, Fortbewegung, Kühlmöglichkeiten, sanitäre Einrichtungen – betrifft, die für uns selbstverständlich sind.

2. Als ich weiterschrieb, war es mir klar, dass Claire zu irgendeinem Zeitpunkt in die Zukunft zurückkehren würde, und ich hatte beschlossen, dass die Zeit linear verläuft – das heißt, wenn man am Punkt A abreist und bis zu seiner Rückkehr eine X lange Zeit in der Vergangenheit verbringt, dann kommt man am Punkt A + X raus. Ich wollte nicht gezwungen sein, meine Zukunft zu erfinden, um Claires Zukunft schreiben zu können – das heißt, ich wollte es nicht gleichzeitig mit den Problemen historischer und futuristischer Romane zu tun bekommen.

3. Der dritte Grund hat sich inzwischen als bedeutungslos erwiesen, doch anfangs, als ich noch mit dem Zeitreisemechanismus herumgespielt habe, habe ich mir überlegt, dass die Zeitpassagen in den Steinen vielleicht nur in Perioden gesellschaftlicher Gewalt offen standen – vor allem in Kriegszeiten. Das hätte bedeutet, dass die Zeitreisenden in unruhigen Zeiten Gefahr liefen, „hineinzufallen“ und dass sie sich zwischen Perioden des Aufruhrs hin- und herbewegten, in denen es weniger wahrscheinlich war, dass ihr Verschwinden bemerkt wurde.

4. Später habe ich beschlossen, dass es sinnvoller war, den Zeitpassagen eine geomagnetische Natur zu verleihen, sodass sie von den überlieferten Sonnenfesten beeinflusst wurden (die einen Bezug zum Gravitationsfeld der Erde und seiner wechselnden Orientierung an Sonne und Mond haben). Daher habe ich von der Verbindung mit der Häufung von Gewalt abgesehen – doch diese Idee gehörte zu den Gründen, warum der Ausgangspunkt von Claires Geschichte in der Nähe des Zweiten Weltkriegs liegt.

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Welche Art von Recherchen unternehmen Sie für Ihre Bücher? Woher wissen Sie, wann Sie genug recherchiert haben? Wie lange recherchieren Sie, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich kenne viele Leute, die erst ihre Recherchen abschließen und dann anfangen zu schreiben, doch das würde mir nichts bringen – da ich nie weiß, was passieren wird, wüsste ich nicht, wo ich aufhören soll! Also lasse ich das – ich lese und recherchiere während des gesamten Schreibprozesses, und ich beginne unverzüglich zu schreiben.
Es kommt bei einem Buch vor allem auf das Schreiben an. Was die Recherche angeht, so ist oft gar nicht klar, was ich wissen muss, bis ich es finde. Wenn sich etwas als falsch herausstellt, kann ich es ändern. Wenn ich an eine Stelle gelange, an der ich etwas Konkretes wissen muss, bevor ich weiterschreiben kann – dann kann ich es nachschlagen, oder ich kann an eine andere Stelle der Handlung wechseln und mir diese Stelle für später aufheben. Doch es zählen nur die Worte auf der Seite.
Ich habe ungefähr zweihundert Bücher zu Hause, die der Uni-Bibliothek gehören (dann und wann wollen sie eins zurückhaben, was immer ein traumatisches Erlebnis ist), und außerdem kaufe ich Bücher wie andere Leute gesalzene Erdnüsse. Ich habe immer ein Buch im Auto, sodass ich an der Ampel oder während der Flötenstunde meiner Kinder etwas lesen kann, und ich lese beim Fitnesstraining auf dem Trimmfahrrad oder dem Laufband Recherchematerialien.
Manchmal muss ich konkrete Informationen nachschlagen – etwa wie man einen Zahn zieht, wie viele Sklaven es 1767 im Durchschnitt auf einer Zuckerplantage in North Carolina gab oder wie viel ein Schwarzbär wiegt –, doch es ist wirklich nicht sehr zeitaufwändig, konkrete Fakten auszugraben. Es ist das Herumstöbern und Aufspüren faszinierender Einzelheiten wie dem Gehängtenschmalz (das übrigens historisch belegt ist – es gehörte zu den Nebenverdienstquellen eines Henkers aus dem achtzehnten Jahrhundert), das Zeit in Anspruch nimmt.
Glücklicherweise macht es aber auch Spaß. Ich kann mich erinnern, wie ich einmal ein bestimmtes Buch erwähnt fand, dessen Titel mir wichtige Hintergrundinformationen für »Ferne Ufer« versprach. Die Uni-Bibliothek hatte es nicht, und ich hatte nicht genug Zeit, um darauf zu warten, dass sie es mir per Fernleihe besorgten. Also habe ich herumtelefoniert und schließlich zwei Exemplare des Buches in einer New Yorker Buchhandlung ausfindig gemacht. Zufälligerweise befand sich die Buchhandlung im Erdgeschoss des Gebäudes, in dem mein Verleger seine Büroräume hat. Und so geschah es, dass meine (extrem hilfsbereite und tolerante) Lektorin sich bei dem Versuch wiederfand, keine Miene zu verziehen, während sie eine Verkäuferin in der Buchhandlung um zwei Exemplare von Sodomy and the Pirate Tradition bat.

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Wieso ist „Feuer und Stein« in der ersten Person geschrieben?

Mein erster Impuls ist zu sagen: „Warum zum Kuckuck sollte es nicht so sein?“ Doch wird mir diese Frage auch oft bei Autorenkonferenzen gestellt, also will ich versuchen, sie etwas detaillierter zu beantworten.

Ich experimentiere gern und probiere gern neue, interessante Strukturen und literarische Techniken aus (nicht dass eine Icherzählerin das wäre, was man als wahnsinnig gewagt bezeichnen würde). Doch die Antwort lautet schlicht, dass die erste Person damals für mich die einfachste Methode war und mir am meisten Vertrauen einflößte, und da ich das Buch zu Übungszwecken schrieb, sah ich keinen Grund, mir selbst das Leben kompliziert zu machen.
Jetzt, wo ich mehr über das Schreiben weiß, gibt es noch andere gute Gründe für meine damalige Entscheidung, doch das ist der Grund, warum ich es getan habe: es kam mir ganz selbstverständlich vor. Vielleicht habe ich mich (abgesehen von der Tatsache, dass Claire Beauchamp Randall die Dinge an sich gerissen hat und die Geschichte selbst zu erzählen begann) dabei am wohlsten gefühlt, weil viele meiner Lieblingsbücher in der ersten Person geschrieben sind. Wenn Sie die Klassiker der englischen Literatur betrachten, so ist gut die Hälfte davon in der Ichform geschrieben, von „Moby Dick“ bis „David Copperfield“ und „Die Schatzinsel“ – sogar große Teile der Bibel sind in der ersten Person geschrieben! Was nicht heißen soll, dass diese Technik keine Nachteile hat oder dass sie jedermanns Sache ist. Doch wenn sie zum Stil und zur Handlung passt, warum nicht? Die Rahmenhandlung von »Die geliehene Zeit« ist zum Teil aus Claires Perspektive in der ersten Person geschrieben, zum Teil aus Roger Wakefields Perspektive in der dritten Person. Und wenn Sie sich die erste Hälfte von »Ferne Ufer« ansehen, dann werden Sie feststellen, dass sie in einer „Flechttechnik“ geschrieben ist und Jamies Geschichte linear in der dritten Person erzählt, Claires Geschichte in Rückblenden in der ersten P-erson, und dass die Szenen, die aus Rogers Erzählperspektive geschrieben sind, Wendepunkte darstellen, die den beiden anderen Erzählern Anregungen liefern. »Der Ruf der Trommel« benutzt vier Haupterzähler: Claire, Jamie, Roger und Brianna – und mit dem Wachsen der erweiterten Familie der Hauptfiguren nimmt in den folgenden Büchern auch die Zahl der Erzählerstimmen weiter zu. Doch die erste Person ist und bleibt in diesen Büchern Claire vorbehalten.

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Basieren irgendwelche Ihrer Romanfiguren auf echten historischen Persönlichkeiten?

Ja, mehrere. Schließlich ist es ziemlich schwierig, über die Rebellion von 1745 zu schreiben, ohne Charles Stuart zu erwähnen. Ansonsten – es gibt eine „echte“ Hexe namens Geilis Duncane (spätes sechzehntes Jahrhundert) in Daemonologie, einer von König James von Schottland (später James I. von England) herausgegebenen Abhandlung über Hexen. Das Buch beschreibt den Prozess eines Hexenbundes, von dem James glaubte, dass er mittels schwarzer Magie ein Attentat auf ihn plane (Sie wissen ja, wie die Frauen so sind: immer mit dem Teufel unter einer Decke und nichts als solche Unterfangen im Sinn). Ich dachte mir, dass der Name jedem geläufig sein müsste, der Ahnung von schottischer Hexenkunde hat, und dass es für die anderen Leser keine Rolle spielte. Es ist natürlich nicht der wirkliche Name der Hexe in »Feuer und Stein« – in »Die geliehene Zeit« begegnen wir ihr unter ihrem (vermutlich) eigentlichen Namen Gillian. Sie hat sich den Namen Geillis mit Absicht gegeben, da sie auf Grund ihrer Recherchen über Hexerei natürlich mit dem Original vertraut war. Darüber werden wir noch mehr erfahren, wenn Roger das Notizbuch seiner Ahnherrin liest. Jack Randall hat es nicht gegeben – jedenfalls nicht, soweit ich weiß. Mutter Hildegard(e) war eine historische Persönlichkeit, doch sie hat im zwölften Jahrhundert gelebt, nicht im achtzehnten. Ebenso war Monsieur Forez, der Henker aus »Die geliehene Zeit«, tatsächlich im achtzehnten Jahrhundert Henker in Paris. Prinz Charlie und viele der Jakobitenführer haben natürlich ebenfalls wirklich gelebt. (Siehe in diesem Buch unter „Charaktere“.)

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Wer ist der Geist in »Feuer und Stein«?

Der Geist ist Jamie – aber wie sich seine Erscheinung exakt in die Handlung fügt, wird später erklärt werden, und zwar im letzten Buch der Serie.

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Ist die Geschichte vom Dunbonnet und dem Gutsherrn, der sich sieben Jahre lang versteckt hat, wahr?

Die Geschichte mit dem Fass ist wahr – genauso wie die Geschichte des Gutsherrn, der sich sieben Jahre lang in einer Höhle versteckt gehalten hat und von seinen Bediensteten der Dunbonnet genannt wurde, und seines Knechtes, der ihm das Ale in sein Versteck brachte. Der Name des Gutsherrn? Ah… James Fraser. Ehrlich.

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Wer war das paleolithische Liebespaar in »Die geliehene Zeit«? Was hat es zu bedeuten?

Ich hatte eigentlich keine besondere Absicht, als ich dieses Paar verwendet habe – es war einfach nur eine Metapher dafür, wie kurz das Leben ist und wie wichtig die Liebe ist. Andererseits schreibe ich oft Dinge, die nur der Lebendigkeit dienen sollten und sich in einem der späteren Bücher in etwas ganz anderes verwandeln. Nehmen Sie zum Beispiel diesen Geist in »Feuer und Stein« … Eigentlich habe ich das Liebespaar in einem National-Geographic-Heft gefunden. Im Original waren sie ein Paar aus Herculaneum (oder vielleicht auch Pompeji), dessen Skelette man bei Ausgrabungen gefunden hatte. Ihre Position war so, wie ich sie in »Die geliehene Zeit« beschrieben habe – er hatte die Arme um sie gelegt und versucht, sie zu beschützen, als das Feuer über sie kam. Eines der anrührendsten und dramatischsten Bilder, die ich je gesehen habe. Es ist mir jahrelang nicht aus dem Kopf gegangen, also war es da, als mein Unterbewusstes es brauchte, als Bild für Sterblichkeit und Liebe.

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Was für ein Name ist denn Ihr Nachname?

Gabaldon ist ein spanischer Name. Wenn ich jemandem begegne, der den Namen korrekt auf Spanisch ausspricht, dann weiß ich, dass er a) aus New Mexico und b) sehr wahrscheinlich aus der Gegend um Belen stammt, woher mein Vater kommt. (Ja, Gabaldon ist mein eigener Name, nicht der meines Mannes.)

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Sind Sie keine Schottin oder Engländerin?

Nein, Amerikanerin. Aufgewachsen in Flagstaff, Arizona. Allerdings sind meine Vorfahren sowohl Engländer (mit einer deutschen Linie) als auch mexikanisch-amerikanisch; einer meiner Urgroßväter mütterlicherseits ist im späten achtzehnten Jahrhundert aus England (Yorkshire) nach Arizona emigriert, und zwei andere Linien der Familie meiner Mutter sind während der amerikanischen Revolution nach New York gekommen, während die Familie meines Vaters aus New Mexico stammt.

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Eins der am heißesten diskutierten Kapitel in »Echo der Hoffung« ist die Szene, in der Lord John und Claire glauben, Jamie sei bei einer Schiffskatastrophe umgekommen. John betritt Claires Zimmer mit den Worten „Ich werde heute Nacht nicht allein um ihn trauern“ … und die beiden landen zusammen im Bett. Was sagen Sie den Lesern, die das unglaubwürdig finden?

O.K. Wäre ein heterosexueller Mann in diesem Zustand (er ist ganz offensichtlich betrunken und emotional angegriffen und steht kurz davor, jede Selbstkontrolle zu verlieren) zu einer Frau gekommen und hätte diese Worte gesagt – er hätte Sex im Kopf gehabt, selbst wenn er es nicht mit Absicht darauf anlegte. John ist kein heterosexueller Mann. Er meint genau das, was er sagt – er braucht die Gesellschaft eines Menschen, der Jamie genauso gut kannte wie er selbst, der das Ausmaß seines Verlustes begreift (und dessen Verlust er genauso begreift), weil er das, was in seinem Inneren vor sich geht, einfach nicht mehr ertragen kann. So weit, so gut.
Claire ist a) eine heterosexuelle Frau (ohne Wenn und Aber; Sadie Fergusons Annäherungsversuche in »Ein Hauch von Schnee und Asche« lassen sie „leider“ unbeeindruckt, obwohl sie sich in Gedanken wünscht, Sadie könnte sie alles vergessen lassen), und b) hatte sie gerade einen heftigen sexuellen Flashback, der sowohl sexuelle Erregung mit sich bringt als auch Angst vor der gefühlsmäßigen Taubheit, die sie zu überwältigen droht. Und dann kommt John – den sie an diesem Punkt zumindest akzeptiert und dem sie mehr oder weniger vertraut – mit seiner Ankündigung des Weges. Obwohl sie über seine sexuelle Orientierung Bescheid weiß, reagiert sie auf seine Worte, als wäre er ein heterosexueller Mann (genau wie es auch die meisten Leser tun. Das nennt man hinterhältige Absicht seitens der Autorin).
Ich bezweifle also, dass er die geringste Absicht hatte, ihr sexuelle Avancen zu machen – doch Jamie und Sex sind in seiner Gedankenwelt offenbar eng miteinander verbunden. FALLS Claire also ihm Avancen gemacht hat (und ich glaube, so ist es gewesen, auch wenn es vielleicht nicht ihre Absicht war – Männer fühlen sich viel eher sexuell angesprochen als Frauen), ist es gut möglich, dass er instinktiv auf ihre Berührung reagiert hat statt auf ihre Person. Und da sie beide betrunken und außer sich vor Trauer waren und dringend irgendetwas brauchten, woran sie sich in diesem Sturm klammern konnten … Nun, auch schwule Männer sind Männer, und für ein männliches Tier ist Sex … eben Sex. Ein Mann kann (und wird, wenn das Bedürfnis zu stark wird) mit allem und jedem Sex haben. Was Claires Reaktion am Morgen danach betrifft … Als sie einmal begriffen hat, dass da nicht Jamie neben ihr im Bett liegt, nun, das Schlimmste auf der Welt ist schon passiert, welche Rolle spielt alles andere noch? Also ist sie ruhig – beinahe geistesabwesend – und benutzt ihre klinische Neugier, um jede Emotion von sich fernzuhalten. John wiederum ist immer (fast immer) ruhig, gefasst und kontrolliert – er würde doch im Leben nicht entsetzt aus dem Bett springen. Und ich glaube, sie sind beide überrascht, nach diesem Ausbruch blinder Aufrichtigkeit festzustellen, dass sie wie Menschen miteinander umgehen können.

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Wo wird die Geschichte enden?

Ich denke, die Bücher werden um das Jahr 1800 in Schottland enden. Wenn Sie jetzt klüger sind, schön für Sie.

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Wird die Geschichte ein Happy End haben?

Oh ja, das letzte Buch wird ein Happy End haben, obwohl ich fest davon ausgehe, dass es die Leser trotzdem in Tränen aufgelöst zurücklassen wird.

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Eins verwirrt mich: Wenn Geillis 1968 zum ersten Mal durch die Steine gegangen ist, wie kann es dann sein, dass sie schon vor Claire in der Vergangenheit ist?

Wir wissen noch längst nicht alles über die Feinheiten des Zeitreisens (obwohl ich davon ausgehe, dass wir noch mehr herausfinden, wenn Claire, Roger und Brianna die Köpfe zusammenstecken, um ihre Erfahrungen zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen). Vergessen Sie nicht, dass Gillian Edgars bei ihrer ersten Passage ein Menschenopfer benutzt hat – vielleicht hatte sie ja Recht in der Annahme, dass ihr das Macht verlieh, und konnte dadurch weiterreisen. Vielleicht war das Opfer auch irrelevant, und es war noch ein anderer Faktor im Spiel.

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Warum haben Sie Ihre Bücher in Schottland zur Zeit der Jakobiten begonnen?

Nun, wie fast alles andere an diesen Büchern hat sich auch das durch Zufall ergeben. Ich war auf der Suche nach einer geeigneten Zeit für einen historischen Roman, weil ich der Meinung war, ein solches Buch ließe sich zu Übungszwecken am leichtesten schreiben. Während ich noch darüber nachgrübelte, sah ich zufällig auf PBS die Wiederholung einer uralten Folge von Doctor Who – eine Folge, in welcher der Doktor einen jungen schottischen Begleiter hatte, den er im Jahr 1745 aufgelesen hatte. Es war ein hübscher Kerl von ungefähr siebzehn, der Jamie Mac-Crimmon hieß und in seinem Kilt eine ziemlich gute Figur machte. Am nächsten Tag saß ich in der Kirche und dachte darüber nach. Na ja, dachte ich mir, irgendwo musst du ja anfangen, und eigentlich spielt es keine Rolle, wo, weil ja sowieso niemand dieses Buch zu sehen bekommen wird – warum also nicht? Schottland, achtzehntes Jahrhundert. Und so habe ich angefangen: kein Konzept, keine Figuren, keine Handlung – nur ein Ort und ein Zeitpunkt.

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Ihre Bücher sind so komplex! Erstellen Sie vorher ein Konzept?

Nein, ich arbeite nicht mit vorgefertigten Konzepten. Natürlich schreibe ich aber auch nicht linear; ich schreibe jede Menge Teilstückchen und füge sie dann ineinander wie ein Puzzle. Ich schreibe hier und da, da und hier, bis eine Szene fertig ist – dann springe ich an eine andere Stelle und schreibe etwas anderes. Ich habe nicht einmal Kapitel, bis es daran geht, das vollendete Manuskript auszudrucken, um es meiner Lektorin zu schicken; die Aufteilung in Kapitel, für die ich mir dann Überschriften einfallen lasse, ich so ziemlich das Letzte, was ich mit einem Buch anstelle. Und ja, dann und wann habe ich Szenen, die entweder nicht passen oder überflüssig oder deplatziert sind (ich bin sicher, dass niemand glaubt, dass ich jemals eine Textstelle kürze oder herausnehme, aber das tue ich. Das Vorvorletzte, was ich mit einem Buch anstelle, ist ein Prozess namens „Aufschlitzen und Niederbrennen“). Doch in den meisten Fällen kann ich diese Szenen für ein anderes Buch recyceln – einer der Vorteile, wenn man eine Serie schreibt. Die kurze Szene mit dem reisenden Numismatiker Mayer Rothschild hatte ich beispielsweise ursprünglich für »Die geliehene Zeit« geschrieben. Nicht dass sie dort nicht gut hingepasst hätte – doch sie war nicht essenziell wichtig für die Handlung, also habe ich sie entfernt. Und wie das Leben so spielt, passte sie dann wunderbar zu dem Rätsel um die Münzen in »Ferne Ufer«, wo ich sie fast unverändert verwendet habe und sie nur hier und dort ein wenig der Handlung angepasst habe. Dann gibt es Textversionen, die einfach nicht funktionieren – ich habe die erste Hälfte der Rahmenhandlung in »Die geliehene Zeit« mehrere Male umgeschrieben, bevor ich damit glücklich war, und bei jedem Durchgang nur jene Bruchstücke übernommen, die mir zu funktionieren schienen. Jeder Schriftsteller hat eine andere Herangehensweise an das Schreiben, doch für mich ist es ein sehr organischer Prozess, wenn auch mit einer ganz eigenen inneren Logik – etwa wie wenn man im Keller Kristalle züchtet.

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Gibt es die Orte, an denen Ihre Bücher spielen, wirklich?

Ich schätze, das hängt ein wenig davon ab, was Sie unter „wirklich“ verstehen. Für mich sind sie mit Sicherheit alle wirklich. Doch gibt es Orte wie Inverness, Loch Ness und Fort William auch auf der Landkarte, ebenso wie Paris, Fontainebleau, Cap-Haïtien und so weiter. Wenn Sie allerdings den Steinkreis von Craigh na Dun meinen… Sie müssen bedenken, dass ich noch nie in Schottland gewesen war, als ich »Feuer und Stein« schrieb. Als ich schließlich eine Reise dorthin unternahm, fand ich an einem Ort namens Castlerigg einen Steinkreis, der dem meinen sehr ähnlich sah. Außerdem gibt es in der Nähe von Inverness ein Hügelgrab-Monument mit Namen Clava Cairns, wo es auch einen Steinkreis gibt, und einen Hügel namens Tomnahurich, der angeblich ein Feenhügel ist, aber dort bin ich noch nie gewesen, daher weiß ich nicht, wie sehr er Craigh na Dun ähnelt. Was Lallybroch angeht… Nun, ich finde immer wieder Dinge, die tatsächlich existieren, nachdem ich sie zu Papier gebracht habe, daher würde es mich nicht im Mindesten überraschen.

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Als Claire, Brianna und Roger versuchten herauszufinden, was während und nach der Schlacht von Culloden aus Jamie geworden war – hätten sie sich nicht jede Menge Arbeit ersparen können, indem sie Franks Bücher lasen?

Claire konnte sich nie dazu durchringen, die Bücher zu lesen, weil sie fest überzeugt war, dass Jamie tot war, und es nicht ertragen konnte, die Tage der Rebellion noch einmal zu durchleben. Dagegen ist diese Zeit Rogers Spezialgebiet als Historiker, und Brianna hat Frank geliebt und bewundert und hatte ursprünglich vor, in seine Fußstapfen als Historiker zu treten. Sie haben die Bücher mit ziemlicher Sicherheit gelesen – da sie sie aber im Zusammenhang mit ihrer Suche nach Jamie Fraser nicht erwähnen, hat wohl nichts über ihn in den Büchern gestanden. Allerdings lässt Franks Korrespondenz mit Reverend Wakefield keinen Zweifel daran, dass er nicht nur nach Jamie gesucht hat – sondern ihn auch gefunden hat. Was er allerdings herausgefunden hat und was er mit dieser Information angefangen hat… tja, das werden wir alles zu seiner Zeit herausfinden.

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Wann hat Jamie Geburtstag?

Am ersten Mai. Ein Leser hat einmal einen Streit mit mir darüber angefangen, weil er darauf bestand, Jamie müsste einfach Löwe sein, doch ich versichere Ihnen, dass es nicht so ist. Mein Mann und meine Kinder sind Stiere, und ich weiß, was sie für Menschen sind. Es ist der erste Mai. (Siehe: „Horoskope“.)

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Wir haben versucht, die Spielregeln von „Pastors Katze“ herauszubekommen. Jede Hilfestellung wäre uns sehr willkommen.

Pastors Katze ist nur ein einfaches Wortspiel, bei dem es eigentlich keinen „Gewinner“ gibt. Jeder Spieler ist bei jedem Buchstaben des Alphabets einmal an der Reihe und muss versuchen, ein Adjektiv auszusuchen, das seinen Gegner entweder verblüfft oder einfach nur belustigt; der Spieler, der das „beste“ Adjektiv findet (eins, das sein Gegner nicht kennt oder einfach das unterhaltsamere Wort) hat die Runde gewonnen. Pastors Katze ist eine adipöse Katze. Pastors Katze ist eine adhäsive Katze. Beides gut, aber „adhäsiv“ ist vielleicht besser, weil die Vorstellung einer klebrigen Katze komischer ist als die einer fetten Katze. Pastors Katze ist eine böse Katze. Pastors Katze ist eine Bandkeramik-Katze. („Bandkeramik“ ist die Bezeichnung für eine bestimmte Art von neolithischer Keramik, die gemusterte Borten aufweist, also ist es eine gestreifte Katze. „Bandkeramik“ dürfte diese Runde wohl gewinnen.) Das Spiel kann einfach, aber auch sehr komplex sein, und es wird oft benutzt, um den Wortschatz von Schülern zu erweitern. Ich bin in einer Buchhandlung in Inverness darauf gestoßen, wo ich zwei kleine Bücher gefunden habe: „The Minister’s Cat“, welches mehrere Möglichkeiten pro Buchstabe aufzeigte und lustig illustriert ist, und „Cat A’Mhinister“, eine gälische Version, die das 700 Spiel als effektive Methode zum Erlernen gälischer Vokabeln empfiehlt. Roger und Brianna benutzen das Spiel natürlich, um indirekt miteinander zu kommunizieren.

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Wer oder was ist Master Raymond. Welche Rolle spielt er?

Er ist ein prähistorischer Zeitreisender. Ich glaube, dass er aus der Zeit etwa viertausend Jahre vor Christus stammt, vielleicht auch etwas eher (damit ist er genau genommen nicht prähistorisch, aber als er sich auf den Weg gemacht hat, gab es mit Sicherheit noch keine schriftlichen Annalen), und das achtzehnte Jahrhundert ist nicht sein erster Zwischenhalt. Ich denke, mehr sage ich jetzt aber nicht über ihn – abgesehen von der Bemerkung, dass wir seine Geschichte später in einer Romanserie erzählen werden, wenn der Jamie-und-Claire-Zyklus vollständig ist.

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Kommt es vor, dass Leser aus Schottland sich beschweren, weil Sie nicht den richtigen Tonfall getroffen haben? Das heißt, stört es sie, dass Sie über Schotten und schottische Themen schreiben, obwohl Sie keine Schottin sind?

Nun, meiner Meinung nach ist die Phantasie ein Land für sich. Außerdem halte ich nicht viel von der Vorstellung, dass man nur über einen bestimmten ethnischen oder geographischen Menschenschlag schreiben kann, wenn man ein genetisches Mitglied dieser Gruppe ist. Und noch weniger halte ich von der Idee, dass man nur deshalb, weil man zu dieser Gruppe gehört, auch gut darüber schreiben kann. Glücklicherweise hat sich aber noch nie ein Schotte bei mir beschwert. Die Bücher sind zum Glück von Anfang an in Schottland sehr populär gewesen; »Der Ruf der Trommel« belegte sogar bei Erscheinen Platz zwei der schottischen Bestsellerliste (direkt hinter dem „Grünbuch des schottischen Parlaments“, das Platz eins belegte), und ich bekomme regelmäßig Fanpost aus Schottland, oft mit der Frage: „Wie lange haben Sie in den Highlands gelebt, bevor Sie nach Arizona gezogen sind?“ Als ich zum ersten Mal in Schottland auf PR-Tournee war, war ich begeistert, meine Bücher in jeder Buchhandlung, die ich betrat, in der schottischen Abteilung zu finden. Da die Schotten auf ihr literarisches Erbe sehr stolz sind, war ich mehr als geschmeichelt, mein Werk neben dem von Robert Louis Stevenson, John Buchan, Lady Antonia Fraser und anderen zu finden. Einmal habe ich das zu einem Buchhändler gesagt, der mich daraufhin ansah, die Augenbrauen hochzog und erwiderte: „Na ja, Gahbeldan ist so ein komischer Name, da haben wir gedacht, er könnte genauso gut schottisch sein!“ Kurz, statt dass die Schotten Einwände geäußert hätten, weil ich mir ihre Geschichte angeeignet habe, ist es, glaube ich, eher so, dass sie sich mich angeeignet haben.

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Sie haben selbst einmal gesagt, es sei eine Gabaldonsche Regel, dass der Leser erst glauben darf, dass eine Figur tot ist, wenn er ihrem letzten Atemzug schwarz auf weiß beigewohnt hat. Bei Arch Bug sehen wir diesen letzten Atemzug aber nicht. Ist er wirklich tot?

Die Tatsache, dass ich – natürlich nur hin und wieder – falsche Fährten lege, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen (zum Beispiel, als Geillis Duncan und Tom Christie gar nicht tot sind, obwohl man es erwartet), oder dass ich (nicht als Autorin, sondern wenn ich meine Bücher kommentiere) auf mögliche Zweideutigkeiten hinweise (wie zum Beispiel die Tatsache, dass wir Frank nur aus Claires Blickwinkel kennen und wir nur aus ihren Schilderungen Rückschlüsse auf seine Treue ziehen können), bedeutet noch lange nicht, dass es eine „Regel“ gibt, nach der Figuren nur dann tot sein können, wenn man sie hat sterben sehen, oder dass etwas nur geschehen sein kann, wenn es Wort für Wort ausbuchstabiert wurde. Es ist einfach nicht besonders kunstvoll, Dinge breitzutreten, nur um zu verhindern, dass die Leute voreilige Schlüsse ziehen. (…)

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