Kurzführer zur gälischen Grammatik

von Iain MacKinnon Taylor

Einige einfache Grundregeln zum Schreiben und Lesen der gälischen Sprache

Dieser Gaidhlig-Führer stellt eine kurze Kostprobe der Nuancen dieser Sprache dar; er ist alles andere als vollständig. Er soll nicht dazu dienen, jemandem die Anfänge des Lesens und Schreibens auf Gälisch beizubringen, sondern dem Leser nur ein wenig Verständnis für die Herausforderung vermitteln, der man sich gegenübersieht, wenn man versucht, die Sprache zu lernen. Einigen Schülern gelingt es tatsächlich, Gälisch lesen und schreiben zu lernen, und der eine oder andere bringt es sogar so weit, dass er ganz überzeugend Gaidhlig spricht.

Die richtige Aussprache ist alles andere als einfach. Das Gälische enthält Laute, die schwer in einer anderen Sprache zu beschreiben sind. Im Folgenden finden Sie unter anderem meine Versuche, es dennoch zu tun.

Das gälische Alphabet

A, B, C, D, E, F, G, H, I, L, M, N, O, P, R, S, T, U (18 Buchstaben).

Nicht benutzt werden (aus den gängigen Alphabet)
J, K, Q, V, W, X, Y, Z.

Stehen in einem Wort die Vokale A ,O oder U vor einem Konsonanten, so muss der nächste Vokal nach dem Konsonanten auch A, O oder U sein.

Stehen in einem Wort die Vokale E oder I vor einem Konsonanten, so muss der nächste Vokal nach dem Konsonanten auch E oder I sein.

Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist das Wort »Esan« (ihn).

Aspirierte Konsonanten. In vielen Fällen folgt auf den ersten Buchstaben eines Wortes der Buchstabe »H«. In diesem Fall bezeichnet man den Buchstaben als »aspiriert« (angehaucht).

Das aspirierte B, Bh, wird »W« ausgesprochen.

Das aspirierte C, Ch, wird »Ch« (irgendwo zwischen dem »ch« in »Loch« und einem »k«) ausgesprochen.

Für das aspirierte D, Dh, und das aspirierte G, Gh, gibt es im Deutschen keinen entsprechenden Laut. Versuchen Sie, ein gurgelndes Baby nachzuahmen. (Folgt allerdings auf Gh ein I, so wird es »J« ausgesprochen.)

Das aspirierte M, Mh, wird »W« ausgesprochen.

Das aspirierte P, Ph, wird »F« ausgesprochen.

Bei aspiriertem S, Sh, bleibt das »S« stumm; ausgesprochen wird nur das »H«.

Bei aspiriertem T, Th, bleibt das »T« stumm; ausgesprochen wird nur das »H«.

Grammatik

Genus. Das Geschlecht eines gälischen Wortes stimmt nicht notwendigerweise mit dem natürlichen Geschlecht der Person überein, auf die sich das Wort bezieht. So ist beispielsweise das Wort duine (Mann) Maskulinum. Boireanach (Frau) ist ebenfalls Maskulinum. Bean (Ehefrau) ist dagegen Femininum. Die einfachste Art, beim Lesen das Genus eines Wortes herauszufinden, ist nachzusehen, ob das dazugehörige Adjektiv aspiriert ist. Adjektive, die feminine Nomen beschreiben, sind aspiriert; Adjektive, die maskuline Nomen beschreiben, sind es nicht. Beispiel: Boireanach Math (gute Frau). Bean Mhath (gute Ehefrau).

Das Adjektiv folgt immer dem Nomen. Duine math Mann gut (guter Mann)
Latha math Tag gut (guten Tag)
Madain mhath Morgen gut (guten Morgen)
Oidhche mhath Nacht gut (gute Nacht)

Das Adjektiv folgt dem Adverb.
Tha e gle mhath. Es ist ziemlich gut.

Das Nomen oder Pronomen folgt dem Verb.
Ruinn mi. Machte ich.
Ruinn thu. Machtest du.
Ruinn e. Machte er.

Das Adverb folgt dem Nomen oder Pronomen.
Ruith e luath. Rannte er schnell.
Ruith Iain luath. Rannte John schnell.

Possessivpronomen haben manchmal aspirierte Bezugswörter:
Mo mhàthair (meine Mutter)
Do mhàthair (deine Mutter)
Do mhàthair (deine Mutter)
Und manchmal nicht:
A màthair (ihre Mutter) (3. Pers. Sg.)
Ar màthair (unsere Mutter)
Bhur màthair (eure Mutter)

Beginnt das Bezugswort des Possessivpronomens mit einem Vokal, wie in athair (Vater), so:
Spricht und schreibt man mein Vater als M’athair.
Spricht und schreibt man dein Vater als D’athair.
Spricht und schreibt man euer Vater als Bhur’n athair.
Spricht und schreibt man sein Vater als ’athair.
Spricht und schreibt man ihr Vater als A h’athair.
Spricht und schreibt man unser Vater als Ar n’athair.
Ausnahme: Man spricht und schreibt ihr Vater (3. Pers. Plural) als An athair; die Verschleifung entfällt.

Die Anredeform wird in den Plural gesetzt, wenn man eine ältere Person oder eine Respektsperson anspricht. Beispiele:
Ciamar a tha thu? (Wie geht es dir?) wird zu Ciamar a tha sibh? (Etwa: Wie geht es euch/Ihnen? Gesprochen: Kjamar a hah schiff?) Bheir ghomh do chòta wird zu Bheir ghomh bhur chòta. (Gebt mir Euren Mantel.)

Vokativ.
A bhalaich. O Junge (Dies ist eine Form der Anrede, kein Ausruf.)
A dhuine. O Mann
A bhoireanaich. O Frau
A nighean. O Mädchen
A choin. O Hund
A charaid. O Freund
Bei Vornamen, die mit einem Vokal beginnen, entfällt das vorangestellte A.
A Thearlaich. O Charles
A Sheaumais. O James
Iain. O Ian
Anna. O Ann
Ealasaid. O Elisabeth

Akzente.
Im Allgemeinen spricht man Vokale folgendermaßen aus:
A wie in Arm
E wie in Ende
I wie in Inge
O wie in offen
Uwie in Uhu
Trägt ein Vokal einen Accent grave (à,è,ì,ò,ù), so wird er lang ausgesprochen. Ein Accent aigu über einem ó zeigt an, dass dieses wie in Motor gedehnt wird.

Textauszug aus
Diana Gabaldon: »Der magische Steinkreis«
Aus dem Amerikanischen von Barbara Schnell