Diana Gabaldon im Gespräch

© Andreas Pavelic

Mai 2014

»Ein Schatten von Verrat und Liebe« ist das achte Buch der Highland-Saga. Wie viele Bücher werden Sie in der Reihe noch schreiben?

Das weiß ich nie so genau. Ich plane die Bücher nicht voraus, ich schreibe nicht mit einer Inhaltsübersicht und ich schreibe nicht geradlinig – aber ich bin sicher, es wird mindestens noch ein weiteres geben. Das neunte Buch könnte das Ende der Reihe sein – es ist jedoch gut möglich, dass es noch mehrere geben wird, da ich nie weiß, wieviel Handlung bzw. Zeit ein Band umfassen wird, bis ich ein oder zwei Jahre an ihm gearbeitet habe. Es wird aber zusätzlich sicher noch ein Prequel geben, das von Jamie Frasers Eltern Brian und Ellen erzählen wird, und von den Jakobitenaufständen der Jahre 1715 und 1719. Und dann wird es noch ein zweites Begleitbuch zur Highland-Saga geben, das die Bände »Das flammende Kreuz«, »Ein Hauch von Schnee und Asche«, »Echo der Hoffnung« und »Ein Schatten von Verrat und Liebe« abdecken wird. (Eventuell wird es auch noch die Lord-Grey-Romane und eine Lord-Grey-Novelle beinhalten – oder aber sie werden für einen dritten Band aufgehoben.) In dem Begleitbuch wird es auch Beiträge zum Thema Schreiben geben, zur TV-Serie, den medizinischen Eingriffen, ein Figurenverzeichnis (in der Serie werden ungefähr eintausend Charaktere namentlich genannt), ein ausgewähltes und kommentiertes Literaturverzeichnis, Notizen zu Kostümen, Landkarten, Grundrisse – einfach alles, was für die Leser von Interesse sein könnte. Vielleicht wird es auch noch eine oder zwei Graphic Novels geben, obwohl ich dafür momentan keine konkreten Pläne habe. Irgendwann würde ich gerne den Roman zu »Feuer und Stein« schreiben und damit den Beginn der Saga aus Jamies und Murtaghs Perspektive erzählen. Und dann gibt es noch die zeitgenössischen Kriminalromane, von denen einer bereits sehr weit fortgeschritten ist und fast ganz oben auf meinem Arbeitsstapel liegt. Aber alles zu seiner Zeit...

Ihre Highland-Romane sind dicke Bücher mit teilweise über 1.000 Seiten. Wie lange haben Sie für »Ein Schatten von Verrat und Liebe« gebraucht? Haben Sie die Zeit genossen?

Das Schreiben macht mir immer Freude. Es macht Spaß und ist auch sehr befriedigend zu sehen, wie ein riesiges, komplexes und interessantes Buch in meinen Händen langsam Gestalt annimmt und schließlich seine endgültige Form findet. Es sind viereinhalb Jahre vergangen, seit der letzte Highland-Roman »Echo der Hoffnung« veröffentlicht wurde – aber das bedeutet nicht, dass es so lange gedauert hat, »Ein Schatten von Verrat und Liebe« zu schreiben. In diesen vier Jahren habe ich auch »Die Fackeln der Freiheit« verfasst, »Feuer und Stein« sowie ein halbes Dutzend Novellen (die zusammengenommen sogar länger sind als ein durchschnittlicher Roman). Im Wesentlichen habe ich also ein Buch pro Jahr zu Papier gebracht – »Ein Schatten von Verrat und Liebe« ist nur das aktuellste. Ich habe immer mehrere Projekte gleichzeitig auf meinem Schreibtisch und habe mich auch mit »Ein Schatten von Verrat und Liebe« beschäftigt, während ich einige kleinere Projekte realisiert habe. Ich schätze, ungefähr eines dieser vier Jahre habe ich insgesamt auch mit Reisen und Promotion verbracht.

Sie haben Ihrem Buch den Arbeitstitel »Moby« gegeben – was bedeutet das?

Der Originaltitel lautet »Written In My Own Heart's Blood«, verkürzt also »My Own Heart's Blood«, daraus wird »MOHB«, dann »MOH B«, und wenn man das laut ausspricht, klingt es wie »Moby«. Das ist einfach ein Spitzname, der einfacher auszusprechen ist, wenn man sich über das Projekt unterhält. Außerdem ist es eine scherzhafte Anspielung auf Herman Melvilles Roman »Moby Dick«, denn das Buch ist groß und weiß, wie der Wal im Roman.

Die Highland-Saga wird ja gerade fürs Fernsehen verfilmt – was bedeutet Ihnen die filmische Umsetzung? Und sind Sie in den Prozess eingebunden?

Ich schreibe nicht das Drehbuch, wenn Sie das meinen. Ich bin jedoch als Beraterin an den Dreharbeiten beteiligt und habe außerdem in einer Folge einen kleinen Gastauftritt. Es macht sehr viel Spaß, an der Serie zu arbeiten und wir sind überzeugt, dass die bisherigen Fans begeistert sein werden und dass viele neue Leser dadurch die Bücher für sich entdecken werden.

Welche Figur werden Sie denn in Ihrer Gastrolle spielen?

Das darf ich noch nicht verraten – die Produktionsfirma möchte, dass es eine Überraschung wird.

Sind die Darsteller, die Jamie und Claire spielen, so, wie Sie sich die Charaktere vorgestellt haben?

Vom Aussehen her natürlich nicht – kein Mensch könnte genau einem geistigen Bild entsprechen. Aber sie verkörpern die Figuren charakterlich ganz wunderbar – ich bin wirklich überaus zufrieden.

Nachdem Sie »Ein Schatten von Verrat und Liebe« fertiggestellt hatten, sind Sie erst einmal nach Disneyland gefahren – was hat es damit auf sich?

Fragen Sie mich wirklich, warum? [lacht] Wer würde nicht nach Disneyland fahren wollen? In diesem Fall hatte mein Ehemann mir versprochen, mit mir nach Disneyland zu fahren, nachdem ich mit dem Korrekturdurchgang der Druckfahnen fertig bin, also nachdem meine Arbeit an dem Buch komplett beendet ist. Es ist die perfekte Entspannung für den Übergang von dem Wahnsinn am Schluss (das sind die letzten beiden Monate, in denen ich 14-16 Stunden am Tag arbeite und darüber hinaus nichts anderes mache außer essen und schlafen) zurück zum wahren Leben.

Woran werden Sie als nächstes arbeiten, wann können wir den nächsten Roman um Jamie und Claire erwarten?

Wann Sie den nächsten Highland-Roman erwarten können? [lacht] Sie machen wohl Scherze. Woher soll ich das wissen? Ich habe noch nicht einmal begonnen, daran zu arbeiten, da kann ich noch nicht annähernd wissen, wann er fertig sein könnte. Ganz zu schweigen davon, wann die Verlage in den verschiedenen Ländern ihn dann veröffentlichen. Keine Sorge, er ist fertig, wenn er fertig ist. [lacht] Als nächstes werde ich mich wahrscheinlich zwei oder drei verschiedenen Projekten widmen. Ich habe aber noch nicht wieder mit meiner gewohnten Arbeitsroutine begonnen, da ich ja an der TV-Serie mitgewirkt habe und mich daneben gerade auf eine Lesereise durch die USA und Kanada vorbereite, die in diesem Sommer stattfinden wird.

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